Ansichten eines Darkstars.

 

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Auf dem Parkplatz stieg sie aus dem Auto und verabschiedete sich von ihrem Mann mit den Worten „Bis gleich.“ Ihr Mann mag einkaufen nicht. Er gehört zu den Menschen, die nicht wissen, was ein Stück Butter kostet.
Zuerst ging sie durch die Gemüseabteilung, die sich gleich im Eingangsbereich des Supermarktes befand. Sie bediente sich beim Kohl und mit anderem Gemüse. Schon wieder Kohl. Aber was sein muss, muss sein. Am Abend will sie eine neue Kohlsup-pe kochen. Nach drei Tagen zeigt die Waage immerhin schon zweieinhalb Kilo weniger an.
Mit ihrem Einkaufswagen schlenderte sie durch die Regale. Sie brauchte noch Auf-schnitt für ihren Mann und was kleines Süsses für ihre Enkeltochter. Vor dem Regal mit der Kinderschokolade rumort es laut in ihrem Bauch. Der permanente Kohlkonsum zeigt seine Wirkung. Sie merkt, wie sich ihr Bauch aufbläht und weiß, was das heißt. Es kann jeden Moment losgehen. Sie muss weg hier. Weg von der Kinder-schokolade. Weg aus dem Laden. Hektisch lässt sie ihren Einkaufswagen stehen, geht, rennt fast, Richtung Ausgang und drängelt sich mit „Entschuldigung, darf ich mal.“ an der Kasse vorbei. Raus aus der Tür, entdeckt sie zum Glück gleich ihr Auto. Sie reißt die Tür auf, setzt sich auf den Beifahrersitz und während im Radio die Verkehrsnachrichten laufen, pupst sie, ohne Ende und laut und als gäbe es kein Morgen und auch kein Ozonloch. Sichtlich erleichtert kann sie nun wieder lächeln. „Jetzt fühl ich mich besser“ und sie schaut zu ihrem Mann, der sicher einer Erklärung wünscht. Im ersten Moment ist sie wie angewurzelt und kann noch nicht ganz verstehen und verarbeiten, was oder wen sie da sieht. Das ist gar nicht ihr Mann. Jetzt wird es ihr wie in Zeitlupe klar, das ist auch nicht ihr Auto. Peinlich berührt fängt ihr Gehirn an zu arbeiten. Der Fluchtmechanismus meldet sich und lässt sie nun schnell die Tür öffnen und aus dem Auto steigen, ohne auch noch nur ein Wort zu sagen. Drei Parklü-cken weiter, sieht sie ihr Auto. Was müssen die heute auch alle silbern aussehen? Gehetzt und angetrieben von der Peinlichkeit reißt sie die Tür auf und während sie einsteigt, gibt sie ihrem Mann die Anweisung, er solle losfahren und zwar schnell. Er verstand zwar nicht, hatte aber schon jede Menge Tatorts gesehen, dass er wusste, was in dieser Situation zu tun ist. Er lenkte vom Parkplatz auf die Straße und fuhr intuitiv Richtung Wohnung davon. Sein Leben lang hatte er sich an die Stvo gehalten, doch nun düst er draufgängerisch durch die Straßen. Bis sich eine rote Ampel ihm und seinen silbernen Blitz in den Weg stellte. Er wollte dann doch nicht sein Schicksal und die Punktedatei herausfordern und bremste scharf.
Sie hatten noch immer kein Wort gewechselt und sein leichter Schockzustand in Verbindung mit dem Rausch der Geschwindigkeit regenerierte sich etwas, so dass er gerade fragen wollte, was eigentlich passiert ist, als sich plötzlich die Beifahrertür ruckartig öffnet.
Ein Mann, sichtlich wütend, schaut gebeugt durch die geöffnete Tür und schmettert eine braune Handtasche in den Wagen. „Die haben sie vorhin bei mir vergessen.“





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